Passverteidigung im American Football – Zonendeckung

 

In diesem Teil Artikel befasse ich mich mit der Zonenverteidigung im American Football und welche Vor- und Nachteile sie zur Manndeckungsvariante bietet.

Im Gegensatz zur Manndeckung stellt die Zonendeckung einen grundlegend anderen Ansatz für die Defense dar das gegnerische Passspiel zu verteidigen. Während die Manndeckung auf eine simple Zuteilung setzt und davon abhängig ist daß die einzelnen Spieler ihren individuellen Aufgaben physisch und spielerisch gerecht werden, bedient sich die Zonendeckung eines mehr teamorientierten Prinzips dessen Basis weniger die einzelnen Fähigkeiten der Verteidiger sondern mehr das Zusammenspiel untereinander ist.

Grundlegendes Ziel der Passverteidigung ist es dem gegnerischen Quarterback keine Möglichkeiten zu geben einen Pass zu einem seiner Receiver zu werfen. Bei der Zonendeckung verhindert man dies indem man jedem seiner Verteidiger (Pass Rusher oder Blitzer ausgenommen) einen Bereich auf dem Feld zuteilt den er verteidigt. Innerhalb dieses Bereichs (Zone) ist der Verteidiger verantwortlich für die Deckung aller sich dort befindenden Receiver.

Eine oft gespielte Zonenverteidigung stellt die Cover 2 dar. Hier sehen wir die schematische Darstellung des Plays.

Die hellblauen Zonen heißen „Flat Zones“ und decken den äußeren Bereich des Feldes nahe der Line of Scrimmage. Die gelben Zonen sind sogenannte „Hook Zones“ und decken die Mitte des Feldes während die dunkelblauen Zonen die „Deep Zones“ sind welche die Tiefe des Spielfeldes abschirmen.

Cover2

Eine wichtige Unterteilung macht man zwischen den Zonen oberhalb (dunkelblau) und den Zonen unterhalb (gelb und hellblau) um einschätzen zu können auf welche Bereiche des Feldes sich das Play konzentriert. Bei der hier dargestellten Cover 2 haben z.B. 2 Zonen oberhalb (ab ca 10 Yards) und 5 Zonen unterhalb (innerhalb der 10 Yards) das heißt dieses Play eignet sich hervorragend zum Verteidigen von kurzen und mittleren Pässen während es den zwei Safeties oberhalb überlässt alleine den kompletten tiefen Raum zu verteidigen. Zur Verdeutlichung hier einmal ein Bild der Cover 4, welches im Prinzip genau das Gegenteil beabsichtigt.

Cover4

Wir sehen nun vier Zonen oberhalb und nur drei Zonen unterhalb. Dieses Play lässt dem Gegner Platz für kürzere Pässe,  macht aber den tiefen Raum mit vier Verteidigern dicht. Als Allrounder zwischen diesen beiden Extremen gibt es dann noch die Cover 3 Verteidigung, mit der wir nun die drei Grundspielzüge der Zonendeckung zusammen haben.

Cover3

Spielweise

Während der Verteidiger bei der Manndeckung seine Augen auf dem Receiver gerichtet hat um mit ihm jede Bewegung mitzugehen, spielen die Verteidiger bei einer Zonendeckung mit dem Oberkörper zum gegnerischen Quarterback gewandt und versuchen die in ihrer Zone befindlichen Receiver vor sich zu halten. Dies hat den Vorteil die Bewegung des Receivers und den eventuell geworfenen Pass des Quarterbacks gleichzeitig beobachten und rechtzeitig verteidigen zu können. Verlässt ein Receiver eine Zone und nähert sich der Zone eines anderen Verteidigers ist es wichtig daß beide Verteidiger die nötige Spielübersicht besitzen um die Lücke zwischen beiden Zonen möglichst klein zu halten. Diese eventuell auftretenden Lücken in denen der Receiver nicht oder nur unzureichend gedeckt ist stellt die Schwachstelle jeder Zonendeckung dar und der Quarterback wird versuchen seine Pässe in die Nahtstellen der verschiedenen Zonen zu timen.

cover uebergabe

Zonen Übergabe – Klicken zum Vergrößern

In diesem kleinen Beispiel sehen wir einen Wide Receiver /WR) welcher eine Route durch zwei verschiedene Zonen läuft und zuerst vom Cornerback (CB) und dann von einem Linebacker (LB) gedeckt wird.

Der Zone Blitz

Das Blitzen (also ein Passrush aus mehr als vier Spielern) ist aus einer Zonendeckung heraus nicht ganz so unkompliziert wie aus einer Manndeckung heraus, da jeder Verteidiger, der zusätzlich zu den vier normalen Passrushern versucht den gegnerischen Quarterback zu rushen, eine Lücke in die Zonendeckung reisst.

Bill Arnsparger, Defense Coordinator der Miami Dolphins experementierte zu Beginn der 1970er mit einem Blitzschema dass darauf basiert einigen der eigentlichen Pass Rushern Deckungsaufgaben zu verteilen und den Passrush durch eigentlich für Deckunsarbeit vorgesehene Verteidiger zu ergänzen. Dick LeBeau von den Pittsburgh Steelers griff Anfang der 1990er diese mitterweile in Vergessenheit geratene Version der Zonendeckung auf und machte damit die Defense der Pittsburgh Steelers zu einer der dominantesten Verteidigungen der NFL Geschichte.

ZoneBlitz

In dem Beispiel oben sehen wir einer der Defensive Ends (DEs) statt dem Passrush nun der Deckung des mittleren Feldes zugewiesen ist, und dafür ein Linebacker und ein Safety auf Jagd nach dem Quarterback gehen. Abgesehen von einem zusätzlichen fünften Passrusher stiftet dieses Prinzip einiges Chaos bei der Offense Line, dessen Blockzuteilungen nun nicht mehr stimmen, da diese ja die Defensive Ends als Passrusher erwarteten. Dieser Vorteil gleicht den Nachteil eine Zone weniger als standardmäßig spielen zu können aus (hier insgesamt 6 statt den standardmäßig 7).

Eine gut geführte Defense beherrscht Zonen- und Manndeckung gleichermaßen und setzt sie clever ein um die gegnerische Offense immer im Unklaren zu lassen was sie als nächstes erwartet.

Vorteile der Zonenverteidigung:

– Zonenverteidigung ist Teil der „Bend but dont break“ Taktik d.h. man gibt der gegnerischen Offense etwas mehr Zeit und Raum als bei einer Manndeckung, minimiert jedoch die Gefahr größerer Raumgewinne.

-Durch den Umstand daß alle Zone spielende Verteidiger überwiegend mit dem Körper zum Quarterback gewandt spielen, sind unter Umständen mehr Interceptions möglich, da Blick- und Wurfrichtung des Quartebacks antizipiert werden können.

– Zonenverteidigung kann auch mit qualitativ schlechterem Defense Personal gespielt werden, während Manndeckung oft abhängig von herausragenden Manndeckungsqualitäten der einzelnen Spieler abhängig ist.

– Gegen Draws (als Passspiel angetäuschte Laufspiele), Play Action (als laufspiel angetäuschte Passspiele) und Trickplays kann besser verteidigt werden, während bei einer Manndeckung je nach gelaufenen Angriffsrouten große Lücken auf dem Feld entstehen können.

– Zone Blitze sind anspruchsvoll zu erlernen, aber noch anspruchsvoller für die Offense Line zu verteidigen.

Nachteile der Zonenverteidigung

– Durch das benötigte Personal für die Zonendeckung ist es schweiriger den nötigen Druck auf die Offense auszuüben.

– Ein guter und zielgenauer Quarterback kann das Zonenschma schnell erkennen und seine Würfe in die Nahtstellen der Zonen platzieren..

– Schnell geworferne kurze Pässe können zu beständigem Raumgewinn für die Offense führen.

– Es gibt für die Offense viele erprobte Passrouten Konzepte deren Ziel ist es durch die Kombination verschiedener Passrouten eine Zonenverteidigung auszuhebeln und einzelne Zonen mit mehreren Receivern zu „fluten“  um einen Verteidiger in seiner Deckungsarbeit zu überfordern oder aus seiner Zone zu locken.

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3 Gedanken zu “Passverteidigung im American Football – Zonendeckung

  1. Sehr schöner Artikel mit gut verständlichen Bildern sowie anschaulichen Animationen!
    Bei deiner Vorstellung der Manndeckung hat mir besonders gut gefallen, dass du am Ende nochmal schön ausführlich und verständlich die Vorteile und Nachteile beschrieben hast. Es wäre echt super, wenn du so etwas vielleicht auch nochmal für die Zonendeckung machen könntest!

    Gefällt 1 Person

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