Passverteidigung im American Football – Manndeckung (man coverage)

In diesem Artikel beschäftige ich mich mit den verschiedenen Formen der Manndeckung (englisch man coverage)

Dies ist ein Artikel aus der Kategorie „Football Fachwissen“ und richtet sich an Leser mit Vorkenntnissen.

Grundlegend gibt es mit der Manndeckung und der Zonendeckung zwei verschiedene Arten von Deckungssystemen um das gegnerische Passspiel zu verteidigen.

Nehmen wir uns an der Stelle einmal die Manndeckung (Man Coverage) vor.

Allgemeines Ziel der Passverteidigung ist es, dem Quarterback es möglichst unmöglich zu machen einen vollständigen Pass zu einem seiner sich freilaufenden Passempfänger zu werfen, und im Falle eines geworfenen Passes diesen abzufangen. Die Manndeckung macht es sich in dem Fall möglichst einfach und teilt einfach jedem Verteidiger (ausgenommen sind die Pass Rusher der Defense Line) einen möglichen Passempfänger zur Bewachung zu (Alle Offense Spieler außer der nicht fangberechtigten Offense Line ).  Das sieht dann in etwa so aus:

cover vorb

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Wer sich nun schon etwas mit den Spielerpositionen der Offense und Defense auskennt  wird wissen daß nicht alle Spieler auf dem Feld die gleichen körperlichen Eigenschaften besitzen. Also wäre es klug die Zuordnungen unserer Manndeckung dementsprechend zu ändern, damit nicht ein 110 Kilo schwerer Verteidiger einem 80 Kilo leichten Receiver hinterher rennen muss.

Eine sinnvolle Zuordnung sähe dann so aus:

cover vorb1

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Die schnellen und wendigen Wide Receiver werden von den ebenfalls schnellen und wendigen Cornerbacks gedeckt. Während der bewegliche aber körperlich durchsetzungsstarke Tight End von einem ähnlich athletischen Strong Saftey gedeckt wird. Der bullige Running Back und sein Fullback bekommen beide einen ebenfalls bulligen Linebacker als Bewacher.

Soweit so gut. Wer aber jetzt genau hinsieht erkennt daß zwei unserer Verteidiger ohne Aufgabe sind, da alle potentiellen Passempfänger gedeckt sind.

Aufgepasst, denn an diesem Punkt beginnen die Stärken unserer Manndeckung. Mit diesen beiden Spielern nämlich können wir jetzt machen was wir wollen.

Der „Man Coverage Blitz“

Schicken wir unsere beiden arbeitslosen Verteidiger doch einfach mal als Blitzer Richtung Quarterback um ihm zusammen mit unserer Pass Rushern ordentlich Angst zu machen. Als Folge dessen sollte der, wenn überhaupt, nur einen hastigen und evtl. ungenauen Wurf zustande bringen bevor er unter einem unserer 6 Passrushern zum liegen kommt.

Cover0Blitz

Cover0Blitz

(Klicken zum Vergrößern) Cover 0 Blitz

Und fertig ist unser erster „Cover 0 Blitz“ (Warum der jetzt ausgerechnet Cover 0 Blitz heißt klären wir später  )

Angenommen wir spielen jetzt gegen einen richtig guten Quarterback, Marke Charles Bronson, dem unsere grimmigen 6 anstürmenden Passrusher keine einzige Schweißperle auf die Stirn treibt, und der sich alle seine Nerven behaltend auf die schnelle einen seiner Passempfänger aussucht und seinen Pass wirft…

Da wir ja jedem dieser potentiellen Passempfänger genau einen Bewacher zugeteilt haben nennt man diese Duelle nun 1on1 Matchups. Und wenn man sich jetzt mal vorstellen mag einem auf offenen Feld hin und her flitzenden Profisportler auf den Fersen zu bleiben und zu decken kann man evtl. verstehen daß das nicht immer gut gehen kann.

Folgende Situation ist nun eingetreten, unser Charles Bronson auf der Quarterback Position hat einen seiner schnell freigewordenen Receiver mit seinem Pass gefunden und unserer so schön zusammengestellter 6 Mann Passrush steht blöd in der Gegend rum. Ist für die aber nicht so schlimm, weil die können sich jetzt in Ruhe auf die Bank setzen denn die gegnerische Offense hat grade unseren Cover 0 Blitz genutzt um einen Touchdown zu machen, na super.

Die „Man Coverage mit Zonen Unterstützung“

Was können wir nun tun um die Gefahr des grade beschriebenen Szenarios zu minimieren?

Wir verteilen einfach ein bisschen die Arbeit um. Unser Free Safety hat beim Blitzen zwar durch Schnelligkeit geglänzt, ist aber am dicken Bauch des circa 30 Kilo schwereren Centers abgeprallt und umgefallen. Geben wir ihm eine andere Aufgabe die vielleicht sogar noch besser zu ihm passt. Unser Saftey spielt jetzt eine Tiefe Zone zur Absicherung und Unterstützung der anderen Manndecker. Das heißt er bewegt sich nach dem Snap in den dunkelblau markierten Bereich und deckt alles was sich in seine Nähe traut.

Cover1Blitz

Cover1blitz

(Klicken zum Vergrößern) Cover 1 Blitz

Das sieht dann in etwa so aus und nennt sich nun Cover 1 Blitz (Wahrscheinlich dämmert es Dir jetzt langsam wegen der Cover Bezeichnungen)

Sollten wir das Glück haben in unserem Team ein paar ausgesprochen talentierte Passrusher in der Defense Line stehen zu haben welche dem Quarterback auch ohne zusätzliche Blitzer gehörig Druck machen können, gönnen wir uns den Luxus und spielen eine zusätzliche tiefe Zone durch unseren anderen Safety und lassen seinen Bewacherjob von einem der Linebacker übernehmen. Damit haben wir unsere „Cover 2 Man“

Cover2man

Cover2man

(Klicken zum Vergrößern) Cover 2 man

Damit hätten wir die Grundlagen der Manndeckungsspielzüge (nämlich Cover 0, Cover 1 und Cover 2 man) schon abgehakt und zum Abschluss gibt´s von mir eine kurze und knappe Auflistung der Vor- und Nachteile einer Manndeckung.

Vorteile der Man Coverage:

  • Verteidigt kein Gras sondern den Gegenspieler.

  • Höherer Druck auf den QB möglich.

  • Der QB muss meist den Ball länger halten und warten bis sich ein Receiver von seinem Verteidiger gelöst hat, was durch erfolgreichen Passrush zu mehr Sacks oder hastigen Würfen führen kann.

  • Durch die engere Verteidigung der Receiver muss der QB genauer werfen.

  • Durch die Cover 2 man oder Cover 1 Plays in denen einer oder beide Safetys Zone Defense spielen kann ein effektiver Hybrid gespielt werden, der bei tieferen Pässen eine Absicherung hat.

Nachteile der Man Coverage:

  • Man Coverage benötigt athletisches und talentiertes Personal, da man sonst im 1on1 gegen gute Receiver das Nachsehen hat.

  • Completions sind schwieriger, münden aber manchmal auch in mehr Raumgewinn nach dem Catch, da die Verteidiger weit auseinandergezogen werden, und sich selten unterstützen können.

  • Verteidiger spielen viel mit dem Rücken zum Ball und haben weniger Feldübersicht…

  • daher oft auch weniger Interceptions

  • Individuelle Fehler der einzelnen Verteidiger wiegen meist schwerer. Vorallem wenn die Safeties keine zusätzliche Zone spielen.

  • Falls der Passrush nicht funktioniert findet der QB, je länger er Zeit hat, mit Sicherheit einen Receiver.

  • Tiefe Pässe können bei einem 1on1 ohne Safety Unterstützung sehr gefährlich sein.

  • Anfällig gegen kreuzende Routen durch die Mitte (Verteidiger kommen sich dann gegenseitig in den Weg) und für ruckartige Richtungsänderungen in der Route.

  • Anfällig gegen Playaction Pässe, da jeder Meter Entfernung mehr zwischen Receiver und getäuschtem Verteidiger gefährlich ist.

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